Zweiter Zwischenbericht / JUKI HZL-70

Der Test geht weiter!

Hier folgt nun der zweite Teil meines Produkttests der JUKI HZL-70.

Nachdem ich die „Kleine“ ja schon ganz schön rangenommen habe beim nähen meiner Kunstleder-Wendetasche, mach ich es der JUKI bei meinen nächsten Projekten wieder etwas leichter.

Drittes Projekt / Lunchbags von Pattydoo

Genäht aus dicker Baumwolle und beschichteter Baumwolle. Verschlossen werden die Lunchbags mit Hilfe eines Klettbandes.

Wie schon erwartet gab´s beim Nähen der Beutel überhaupt keine Probleme. Die JUKI hat beide Stoffe wunderbar transportiert und genäht. Auch beim Aufsteppen des Klettbandes gab´s keine Fehlstiche.

Und um mal einen der vorhandenen Zierstiche auszuprobieren hab ich die grüne Lunchbag an der Öffnung mit einem Kreuz-Stich (Nr. 50) abgesteppt. Leider habe ich feststellen müssen, dass der Zierstich, als ich an den Seitennähten vorbei genäht habe, Aussetzer hatte.

Außerdem konnte der Stoff durch die unregelmäßige Dicke nicht gleichmäßig in beide Richtungen transportiert werden, so dass der Stern leicht verzerrt wurde.
Auf gerader Strecke ist die Ziernaht allerdings gelungen!

Und da ich eigentlich eher selten mit Zierstichen arbeite, habe ich die anderen Stiche deshalb einfach mal so ausprobiert.

Test der Zierstiche

Hier nochmal zur Übersicht die möglichen Stiche:

Natürlich konnte ich nicht alle Stiche ausprobieren, aber zusätzlich zum Gerad- und Zickzack-Stich hab ich immer noch 3-4 Zierstiche getestet.

Wie nicht anders erwartet, sind die Stiche auf dickem bis mitteldickem Material sehr schön geworden.

Auf dünnem Stoff konnte ich mich leider nicht restlos überzeugen lassen, da ich blöderweise kein Stickvlies da hatte und ohne unterlegtes Vlies hat sich der dünne Stoff vor allem beim Zickzack-Stich sehr stark zusammengezogen. Bei dünnen Stoffen sollte aber generell Stickvlies als Verstärkung unterlegt werden!!!

(siehe Bilder unten ↓)

– Erster Test auf dickem Material – Kunstleder:

sehr schön geworden!

– Zweiter Test auf mitteldickem Material – Jeans:

schön geworden (allerdings ein lockerer Stich).

– Dritter Test auf dünnem Material – Webware:

stark verzogen!

Nachdem ich meine Teststückchen auf die Linke Seite umgedreht hatte, war ich dann erst mal verwirrt. Denn ich fragte mich warum der Oberfaden so stark nach unten gezogen wird? Ich vermutete einen weiteren Einfädel- oder Einstellungs-Fehler meinerseits! (Besonders auffällig ist es beim Zickzack-Stich und beim Herzchen-Zierstich.)

Nach Rücksprache mit Petra Neuhierl, die unseren Produkttest für den Nähpark betreut und auch sonst allen Nähpark-Kunden gern mit Rat und Tat zur Seite steht, bekam ich allerdings folgende Information, die mich dann doch sehr beruhigte:
„Bei Zierstichen ist das normal, da es bei Zierstichen wichtiger ist, dass der Unterfaden nicht hoch kommt. Je breiter der Zickzack wird umso mehr Oberfaden sieht man auf der Rückseite.“

Ich muss gestehen, dass ich bei meinen früheren Projekten (auf meiner eigenen Nähmaschine) nie wirklich darauf geachtet hatte wie die Zierstiche auf der Rückseite aussehen. Aber gut, dass ich hier so pingelig teste … sonst wäre mir das bestimmt nie aufgefallen. 😜

Viertes Projekt / Die Augenklappe

Nachdem sich meine bisherigen Tests ausschließlich auf Webware und Kunstleder beschränkt haben, muss ich natürlich auch noch ausprobieren wie die JUKI HZL-70 Jersey und Sweat näht.

Allerdings habe ich nicht einfach ein Shirt etc. genäht, sondern etwas ganz besonderes … eine Augenklappe für die Brille!
Das ist meine eigene patentierte Erfindung, die Kindern, die mit Augenpflastern nicht zurecht kommen, bei ihrer Okklusions-Behandlung helfen soll.

Wer genaueres wissen möchte, der schaut einfach mal auf meiner Internetseite vorbei:
http://www.dieaugenklappe.de/


Auf gerader und auch kurviger Strecke gibts grundsätzlich erst mal nix zu meckern. Zu Beginn der Naht ist es allerdings ratsam die Fadenenden nach hinten zu ziehen um der Nähmaschine den Transport zu erleichtern und ein „Fressen“ des Stoffes zu vermeiden.

Was mir allerdings aufgefallen ist, und womit ich erst etwas Schwierigkeiten hatte, ist , dass der Stoff wirklich sehr gut gleitet. Fast ein bisschen zu rutschig für solch fummelige Ums-Eck-Näharbeiten. Mit meiner PFAFF habe ich da weniger Probleme. Ich bin mir nicht sicher, was genau dafür verantwortlich ist. Die Stichplatte, das Füßchen oder beides? Das gute Gleiten, welches ich normalerweise als positiv bewertet hätte, stört mich hier bei diesem Projekt, da ich mit dem Geradstich des öfteren seitlich verrutscht bin.

Der Zickzack-Stich hat aber wieder perfekt funktioniert und sieht wunderbar gleichmäßig aus.
Da man bei diesem, zugegeben etwas ausgefallenen Projekt, noch nicht so richtig einschätzen kann wie die JUKI HZL-70 nun wirklich Jersey vernäht, hab ich dann noch ein paar Probenähte auf Jersey- und Sweat-Resten gemacht.

Da ich Jersey und Sweat aber eigentlich immer mit meiner Overlock nähe, sind für mich persönlich die Näheigenschaften von Jersey nicht so wichtig bei einer normalen Nähmaschine. Einzig das Absteppen von Eingriffstaschen und Tunnelzügen an Kapuzen erledige ich teilweise mit elastischen Zierstichen wie z.B. dem Wabenstich (Nr.48).

Wie näht die JUKI HZL-70 Jersey und Sweat

– Erster Test – Interlock-Jersey mit Geradstich absteppen:

Hier ist der Nähfußdruck entscheidend, denn je geringer der Druck, desto weniger wird der Interlock-Jersey beim Nähen auseinandergedrückt.

Mit Nähfußdruck in Stellung 1 (links) wird der Jersey fast nicht gedehnt und „wellt“ sich nicht. In Stellung 3 (rechts) wird der Jersey schon ziemlich stark gedehnt und man kann die Verformung des rechteckig zugeschnittenen Teststücks gut erkennen.

Es ist also eine Einstellungssache. Mit ein bisschen rumprobieren kann man bestimmt eine gute Einstellung finden, in der man auch mit dem Geradstich arbeiten kann. Generell empfehle ich beim Absteppen von Bündchen etc. einen langen Geradstich, da auch so das „Dehnen“ reduziert wird oder einen leichten Zickzackstich.

– Zweiter Test – elastischer Zierstich auf Sweat:

(z.B. für´s Anbringen von Taschen an Hoodies und Pumphosen)

Was als erstes sofort aufgefallen ist, ist dass der obere Sweat nicht richtig mittransportiert wird und sich schon nach einer relativ kurzen Strecke aufwirft. Um da Abhilfe zu schaffen, gibt’s den JUKI Oberstofftransportfuß der HZL-H Serie, der noch zusätzlich erworben werden kann. Leider konnte ich den nicht ausprobieren.

Meinen favorisierten Zierstich, den ich meist beim Absteppen von Taschen bei Hoodies und Pumphosen verwende, hat die kleine JUKI sehr schön genäht. Allerdings hat sich, wie schon vorher beschrieben, aufgrund des fehlenden Obertransports, der obere Stoff mehr gedehnt als der untere. Was man hier gut auf der Rückseite erkennen kann. (Bild unten ↓)

Aber nicht nur der obere Stoff wird beim Nähen der Zierstiche gedehnt, sondern das gesamte Werkstück, wenn der Nähfußdruck standardmäßig bei ca. 2 eingestellt ist.

 

Was zur Folge hat, dass sich mein Teststreifen sehr wellt und im Vergleich zu einem noch nicht vernähten (ehemals gleichlangen) zweiten Testreifen erheblich länger wird.

Bei meinem dritten Versuch habe ich deshalb ca. bei der Hälfte des Teststreifens den Nähfußdruck auf unter 1 gestellt … und siehe da, der Sweat wellt sich rechts fast gar nicht mehr!

Ich denke mit dem zusätzlichen Obertransportfuß und einem möglichst geringem Nähfußdruck ist es durchaus möglich auch Sweat zu meiner Zufriedenheit nähen zu können.

– Dritter Test – elastischer Zierstich auf Jersey:

Bei Jersey bin ich mir da allerdings nicht so sicher, denn hier wellt sich der Stoff bei mittlerem Nähfußdruck (2) doch sehr stark.

Selbst bei reduziertem Nähfußdruck ist das „Wellen“ zwar weniger, aber immer noch vorhanden.

Und auch hier wird, Aufgrund des leider fehlenden Obertransportfußes, das obere Jerseystück wieder nicht richtig transportiert und so gedehnt angenäht, dass ein Längenunterschied von ca. 5mm entsteht.

Ich persönlich nähe Jersey dann doch lieber mit der Ovi und der Coverlock.


An diesem Punkt endet nun der zweite Teil meines Produkttests der JUKI HZL-70.

Doch schon im nächsten Monat muss ich mich wieder von der JUKI trennen und dann werdet ihr meinen Abschließenden Bericht zu lesen bekommen.

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